Gerstl

Weinselektionen

 

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Tokaj Classic *

 

Besitzer des Weingutes sind Andras Bruhacs und Carl Gustav Settelmaier, zwei Musiker vom Hessischen Staatstheater. Als Anfang der 90er-Jahre die Weingüter in Ungarn privatisiert wurden, haben die beiden gleich einige teilweise noch mit alten Reben bestockte Spitzenlagen gekauft und 1994 ihren ersten Jahrgang erzeugt. Ihr Ziel ist es, nach alter Tradition wieder grosse Weine zu erzeugen. Für mich war es Liebe auf den ersten Schluck, als die beiden mir eine Auswahl ihrer Weine präsentierten. Das ist Tokaj wie es leibt und lebt. Diese Weine erinnerten mich sofort an grosse Erlebnisse mit alten Tokajer Legenden. Stilistisch unterscheiden sich die Weine deutlich von jenen von Tokaj Pendits und Disznokö.

 

Tokaji Furmint 1999

Dieser Wein wurde mir eigentlich nur so der Vollständigkeit halber gezeigt, ganz am Schluss, nachdem ich den 6 Puttonyos verkostet hatte.“Das ist halt leider ein Wein, auf den die Welt nicht gewartet hat. Ein trockener Furmint hat nicht einmal in Ungarn selbst Absatzchancen,“ meint Andras Bruhacs. Nachdem ich den Gaumen von der Restsüsse befreit hatte, kam bei mir aber schon ein gewisses Staunen zum Ausdruck über diesen zwar eigenwilligen, aber ungemein charaktervollen Wein. Jetzt, einige Stunden später, verkoste ich ihn nochmals. Es ist nicht eine einfach verständliche Naturschönheit, die einen gleich verzaubert, aber der Wein hat Tiefgang und Charakter, und ich bin davon überzeugt, dass hier ein grandioses Alterungs- und Entwicklungspotenzial drin steckt. Mich interessiert es, wie sich so ein Wein entwickelt, ich werde mir einfach ein paar Flaschen in den Keller legen, das ist ja keine grosse Investition. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der in 10 oder 15 Jahren ein verblüffendes Weinerlebnis abgeben wird. Er hat eine völlig andere Aromatik, aber von der Struktur und Konzentration her gesehen ist er irgendwo zwischen einem weissen Burgunder und einem Riesling anzusiedeln. Ich habe ein paar Flaschen mehr reserviert, vielleicht möchte ja auch jemand aus unserer Kundschaft das Experiment machen. Man kann ihn übrigens auch jetzt in seiner Jugend sehr gut trinken. Es gibt bestimmt nicht viele Weine unter Fr. 10.-, die dieses Qualitätsniveau erreichen.

 

Tokaji Late Harvest 2003

In Tokaj werden zuerst wochenlang immer nur die Trockenbeeren herausgelesen. Aus dem, was ganz am Schluss – meist in Dezember – noch hängt, gibt es diesen Late Harvest. Es ist dann eine Mischung aus eingeschrumpften gesunden Beeren und einigen Botrytisbeeren. Die Nase sagt schon, dass es eine sehr saubere, feine Botrytis gewesen sein muss. Der Wein duftet nach fast überreifen gelben Früchten, einem Hauch Honig und feinsten Linden- und Holunderblüten. Er schmeichelt cremig weich über die Zunge, das Süsse-Säure-Spiel ist pefekt harmonisch, ein verspielt leicht daherkommender, wunderbar süffiger Süsswein, mit bezauberndem, lang anhaltendem Aromenspiel, wunderschön.

 

Tokaji Aszu 5 Puttonyos 1998

Das ist schon der unverwechselbare Duft eines grossen Tokajers, Dörraprikosen, Pfirsich, Caramel und ein Hauch Orangeat, dazu feine Minze und Lindenblüten. Rassiger und gleichzeitig seidig weicher Auftritt, raffiniertes Aromenspiel, füllt den Gaumen bis in den letzten Winkel, dabei bleibt die Eleganz immer im Vordergrund, das ist eine echte Tokajer Persönlichkeit.

 

Tokaji Aszu 6 Puttonyos 1997

Intensiver Duft nach Orangenmarmelade, reifer, gelber Frucht. Caramel und Honig. Cremig weicher Gaumenfluss, eine wahre Explosion von Aromen, die opulente Süsse wird ausgeglichen von einer sehr weichen, aber deshalb nicht minder rassigen, Eleganz verleihenden Säure, im minutenlangen Nachhall tanzen die Aromen Samba, das ist Tokaj vom Feinsten, mit solchen Weinen wird das Gebiet sehr schnell wieder zu neuem Glanz aufsteigen, der gehört ohne Zweifen zu den ganz grossen Süssweinen dieser Welt.